Bäckertradition in Langenweddingen seit über 180 Jahren

Bäcker Metscher kennt auch noch das Kommißbrotrezept

(J.H.) Als die ersten Brote in der Bäckerei Metscher in Langenweddingen gebacken wurden, brodelte es in Deutschland. Im Jahr 1828 eröffnete Bäcker Metscher in dem bekannten Bördedorf Langenweddingen, damals noch unter der Herrschaft der Preußenkönige, sein Geschäft. Seit diesen unruhigen, nachnapoleonischen Zeiten kauft man im Ort sein täglich Brot beim Bäcker Metscher. Die 48`er Revolution 1848, die Reichsgründung 1871, die wilhelminische Zeit, zwei schwere Weltkriege, DDR-Zeit und friedliche Revolution 1989 haben der, heute in siebenter Generation von der Familie bewirtschafteten Bäckerei Am Rennberg (s)ein unverwechselbares Gesicht und Gepräge gegeben. Das bekannte Backhaus zeigt sich heute wie seit undenklichen Zeiten im fast unveränderten Gewand, wenn gleich im Inneren moderne Technik und Produktionsmethoden Einzug gehalten haben. Vor dem hochmodernen Handwerksbetrieb des Jahres 2008 erlebten die Eltern der heutigen Inhaber Gabriele und Harald Metscher, Brigitte und Herbert Metscher viele entbehrungsreiche Jahre und eine Fortschreibung der durchaus wechselvollen Geschichte auch ihres Lebenswerks „Bäckerei Metscher in Langenweddingen“. Froh waren Ur- Urgroßeltern, als am Ende des 19. Jahrhunderts endlich das elektrische Licht die dunkle Backstube erhellte, die ersten Rühr- und Knetwerke um 1900 ihren Dienst aufnahmen und das schwere, zeit- und kraftraubende Handwerk etwas erleichterten. Zeiten, als noch im Kohlenofen gebacken und mit der Hand geknetet wurde folgten Jahre der Knappheit an Mehl und Zutaten, Zuteilungen und Brotklau ebenso wie harte Restriktionen und weitere Einschnitte für die Metschers im letzten Jahrhundert. Geklagt haben die Bäcker nie, wohl aber tagtäglich hart und schwer gearbeitet. Auch heute noch muss der Teig rechtzeitig angesetzt werden, auch heute noch beginnt das Tagwerk des Bäckers und seiner Gesellen zwischen zwei Uhr und 2.30 Uhr, tagtäglich und vor besonderen Feiertagen sogar noch etwas früher. Und auch heute noch muss jede Hand mit zufassen, um die Langenweddinger und viele Kunden aus der Umgebung pünktlich mit frischen Brötchen, kernigem Brot und leckeren Kuchen zu versorgen. Dabei kann der Kunde heute bei seinem Einkauf zwischen 28 Sorten Brötchen, 17 Sorten Brot und mehr als 70 verschiedenen Teiggebäckwaren auswählen, leckere Torten nach Maßgabe und Anlass angefertigt, nicht mit gerechnet.

Brigitte Metscher lässt es sich noch immer nicht nehmen, trotz ihrer 70 Lebensjahre frühmorgens um vier Uhr den Kuchen zu schneiden und Schwiegervater Walter Hesse hilft ab 5 Uhr mit Fahrdiensten, während sich Gabriele Metscher um das Geschäft, das Personal, die Abrechnung und Buchhaltung kümmert. Noch heute erinnert sich der anerkannte Lebensmittelingenieur Harald Metscher gern an seinen großen Kindheitstraum, einmal Konditor zu werden, während sich für die Absolventin der TU Dresden, Gabriele Metscher schon vor Jahrzehnten alles um die Ökonomie drehte. Fleißig arbeitet auch Tochter, Bäckerin und Meisterschülerin Katharina Metscher daran, diese erfolgreiche, familiäre Traditionslinie weiterzuführen. Als beste Auszubildende der Bäckerinnung Sachsen-Anhalts von der Handwerkskammer 2007 in Bernburg geehrt, versieht die aufgeweckte Frau gewissenhaft und Tag für Tag ihre Aufgaben in der Backstube und arbeitet noch nebenbei an ihrer Meisterprüfung, um den Familienbetrieb vielleicht später einmal weiter zu führen. Sorgen, so der Bäcker, bereite ihm die derzeitige Preisexplosion auf dem Getreidemarkt und vor allem die unermesslich steigenden Energiepreise sorgen für Kummerfalten auf der Stirn des sonst eher aufgeschlossenen Mannes. Mit dieser Entwicklung wird eine Spirale in Gang gesetzt, die den Kunden nun auch beim Backwareneinkauf auf manches Stück „Torte, aber bitte mit Sahne“ verzichten lässt, berichtet er aus seiner unmittelbaren tagtäglichen Erfahrung. Schon in Vorfreude auf den Firmengeburtstag schwelgen hingegen die Langenweddinger. Die Einladung der Metschers für alle ihre treuen Kunden, Langenweddinger und ihre Gäste zur großen 180-Jahre- Geburtstagsparty mit tollen Schalmeienklängen, leckeren Speisen und Trank, Kinderüberraschungen und natürlich Neuestem aus der Backstube wurde dann auch ein großer Erfolg, die Straße musste gesperrt werden für die große Feier. Auch der Sülzetaler, die neueste Schokoladenkreation des Bäckers wird angeboten. Eine nette Geste des dreizehnköpfigen Teams um Bäcker Metscher an die Sekundarschule Ganztagesschule Sülzetal, ist der Verkauf der süßen Versuchung, ob Vollmilch- oder Halbbittergeschmack, allemal. Werden doch je verkauftem Taler 50 Cent an den Förderverein der neuen Bildungseinrichtung als Spende abgeführt.

Bleibt abschließend festzustellen, dass auch damit ausgedrückt sei, dass Landbäcker Metscher und sein Team in, für, mit und durch die Menschen seiner Region lebt und dass es erklärtes Ziel des Langenweddingers ist, sein Unternehmen so erfolgreich fort zu führen, wie dies schon seine Vorfahren taten.


Obermeister Harald Metscher belegt bei der alljährlichen Stollenprüfung durch die Handwerksinnung fast immer erste und zweite Plätze. Ohne zumindest das Prädikat "hervorragend" fährt der Bäcker nie nach Hause.

Familie Metscher 2009. Auch Tochter Katharina ist Konditorin geworden.
Familie Metscher 2009. Auch Tochter Katharina ist Konditorin geworden.