Auch in Magdeburg ist der Klimawandel lange angekommen

"Acht Meter Elbepegel sind für Magdeburg nicht mehr zu schultern" ...

(J.H.) ... Diese Feststellung traf Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper auf einen Fachforum zum Klimawandel im Februar 2014. Vor voll besetztem großen Saal im Maritim-Hotel diskutierte nach dem überzeugenden Vortrag von Professor Dr. Harald Lesch von der Münchener Universität zum Thema "Klimawandel“ die Fakten und Aufgaben in einer sich stetig verändernden Wetterwelt. Dr. Ringo Wagner von der mitveranstaltenden Friedrich-Ebert-Stiftung und weitere Redner aus dem Umweltamt der Landeshauptstadt pflichteten dem Wetterpapst bei, der als Ausgangspunkt seines Vortrages den Satz wählte: "Mit dem Wetter kann man nicht verhandeln!"

Tatsächlich sprechen die Fakten für sich. Nüchtern erfasst und aufgezeichnet stieg der Meeresspiegel von 1901 bis 2010 um 19 Zentimeter, die Temperatur stieg zwischen 1880 und 2012 um 0,8 Grad Celsius an. Pro Jahrzehnt verliert die Sommereisdecke der Arktis seit 1980 zehn Prozent der Eisfläche und 2050 wird der Nordpol eisfrei sein. Konsequenzen für den Golfstrom und die Wetterküche wirken heute schon sicht- und fühlbar auf das Wettergeschehen in Deutschland, betrachtet man allein das letzte Jahrzehnt, so der Forscher. Wetterkapriolen, durch veränderte Temperaturen des Golfstroms in der fernen Biskaya ausgelöst, erzeugten innerhalb weniger Jahre des letzten Jahrzehnts mehrere vernichtende Hochwasserkatastrophen auf dem Kontinent und besonders in Mitteldeutschland. Selbst in den Eisbohrkernen Grönlands sind solche Wetterveränderungen seit zwei Millionen Jahre nicht nachweisbar, schloss Harald Lesch seine Beweisaufnahme. Eine grundlegende Veränderung der Haltung zur Ressourcennutzung, kollektives Handeln und wesentlich mehr radikale Schlussfolgerungen aus den Forschungsergebnissen sind neben konzertierten Handeln notwendig, um den künftig vermehrt auftretenden Wetterextremen entgegenzutreten und den Klimawandel nicht weiter zu verstärken. Geht es nach dem Wetterpropheten, wird Magdeburg im Jahr 2030 mediterranes Klima haben und die Küstenlinien werden sich weiter ins Landesinnere verschieben. Wir sollten neben den Rücklagen zur Bekämpfung kommender Wetterkatastrophen besonders die Wurzeln des Übels bekämpfen, so Lesch. Dazu gehören neben der absoluten Senkung rasant wachsender Produktion von Wohlstandsmüll auch die Bekämpfung der Armut in der Welt und ein Wiederhinwenden zur verstärkten wertschöpfenden Produktion anstatt Geld mit Geld zu drucken, formuliert der Wissenschaftler weiter. Wenn wir weiter auf Gewinnmaximierung setzen, vergeuden wir die Ressourcen unseres Planeten, dass müssen wir im globalen Gedächtnis festschreiben und immer wieder vor Augen führen, meint Harald Lesch nach einer spannenden mehrstündigen Diskussion. Auf jeden Fall, so das Resümee vieler Teilnehmer aus dem 2. Magdeburger Klimadialog 2014, werden ressourcenschonendes Wirtschaften, sparsamer Umgang mit Rohstoffen und verminderte Gifteinträge in die Natur und auch der Erhalt von urbanem Leben ein wichtiges Unternehmensfeld für die Zukunft werden. Dass sich die Magdeburger dem stellen, darf angesichts des großen Interesses am Thema nicht nur bei Kleingärtnern, Naturschutzverbänden oder anderen Interessenverbänden durchaus angenommen werden. Dass dieses Thema auch global eine zunehmende Rolle spielt, zeigt die internationale Konferenz Green Citys, die erst kürzlich in Magdeburg mit dem internationalen Wunsch zu Ende ging, daraus eine dauerhafte Institution zu machen. Ganz nach dem abschließenden Satz von Professor Lesch: "Unvermeidbares bewältigen und Unbewältigbares vermeiden!"