Sind die jüngsten Bahrendorfer die Ältesten?

Wie weit reicht die Besiedlung noch zurück

(J.H.) Die beiden jüngsten Bahrendorfer sind 3000 bis 3.500 Jahre alt. In diesem Zeitrahmen, so schätzt die Archäologin Maria Vollbeding, muss man die Skelettfunde  etwa eineinhalb Meter unter der heutigen Straßenoberfläche der B246a in der Ortslage Bahrendorf wohl einordnen. Und gefunden wurden sie genau am 14. Oktober 2009 bei den grundhaften Bauarbeiten an der B246a in der Ortslage Bahrendorf. Die sachsen-anhaltische Archäologin freut sich über diesen bedeutsamen Fund, auch wenn Alter und Geschlecht noch genauer von den Antropologen bestimmt werden müssen und die Todesursache der vermutlich sehr jungen Menschen ebenfalls noch nicht geklärt ist. Belegt er doch eines ganz eindeutig, so die Fach-Absolventin der Jenaer Friedrich-Schiller Universität, dass die Kulturlandschaft Börde besonders in diesem Landstrich schon in vorchristlicher Zeit, hier der frühen Bronzezeit, intensiv besiedelt wurde. Warum diese Knochen in einer vermutlichen Abfallgrube zusammen mit anderen Tierknochen und Siedlungsabfallresten sowie zerbrochenen Kult- und Gebrauchsgegenständen zu finden waren, weiß Maria Vollbeding auch noch nicht. Und dass der Tote nicht in dem ebenfalls schon gefundenen Gräberfeld unweit der Fundstelle bestattet wurde, gibt auch noch Rätsel auf. Derzeit stehen also noch mehr Fragen als wissenschaftlich begründete Aussagen auf dem Papier. Allerdings trübt dies alles nicht die große Erwartungshaltung der Magisterin vom Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege Sachsen-Anhalt auf weitere Funde. Auch viele Einwohner haben ihre „Bahrendorfer Bronzezeitmenschen“ schon besichtigt und ins Herz geschlossen.


Hier lagen die Funde aus dem zweiten Grabungsabschnitt in ungefähr eineinhalb Meter Tiefe, zeigt uns die Archäologin.


Es ist ein weiterer bedeutsamer Fund, der die bisherigen Erkenntnisse zur Siedlungsgeschichte in dieser Region bestätigt, kann man heute schon resümieren. Schließlich hatte Heinz Nowak unweit von hier ebenfalls schon weit früher bronzezeitliche Gräberfelder und Siedlungsreste ausgegraben. Auch die Grabungen beim Körling, die Funde auf der Altenweddinger Seite der B246a und andere Funde in der Umgebung belegen die Besiedlung der Börde in diesem Raum schon in vorgermanischer Zeit. Noch bis Ende des Jahres wird Maria Vollbeding baubegleitend und mit großartiger Unterstützung durch die Baufirma Oevermann in Bahrendorf nach Besiedlungsspuren durch unsere Vorfahren suchen. Gern würde sie diese interessante Region weiter betreuen, befindet die engagierte Archäologin so ganz neben der Beschreibung des gefundenen Kiefers mit den gut erhaltenen Zähnen, die auf ein relativ geringes Alter hinweisen. Jetzt aber wird sie die Funde neben den weiteren Grabungen erst einmal säubern und dem Landesamt überstellen. Für den ausführlichen Bericht über diesen doch regional bedeutsamen Fund hat sie sich die kältere Jahreszeit ausgesucht. Schließlich erhofft sie sich auch weitere Erkenntnisse von den Antropologen über den Bahrendorfmenschen 2009. Sicher scheint, dass auch künftig beim genauen Hinschauen vieles zu finden sein wird, was auf die sehr zeitige Besiedlung dieses fruchtbaren Landstrichs schließen lässt. Maria Vollbeding wird auf jeden Fall dabei sein.


Die gebürtige Haldenslebenerin Maria Vollbeding kennt sich in der Besiedlungsgeschichte der Börde gut aus. Sie freut sich schon auf die nächsten Aufgaben.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Noch vor Ort wurden die Funde grob gereinigt, gelistet und sicher verpackt. Fotos: J.H.