Auf dem Museumshof in Colbitz begegnet

Vogelkundler Herbert Bilang und das Eulenmuseum

J.H. Man muss schon sehr viel Enthusiasmus, Liebe zur Natur und zur Dorfgemeinschaft und natürlich Tatkraft und gesunden Menschenverstand besitzen, um ein solch` großes Projekt zu verwirklichen, wie es das Eulenmuseum in Colbitz darstellt. Zum Ausbau und Erhalt gehören natürlich auch die Unterstützung der Kommunalpolitiker und der Einwohner des bekannten Heidedorfes, Freunde in aller Welt, aber auch solcher treuen Seelen wie Petra und Erwin Klebe, die den Museumshof montags bis Sonntag und über das ganze Jahr hinaus betreuen. All das ist bei, mit und durch den Colbitzer Ornithologen erlebbar, der seit vielen Jahren ehrenamtlich stellvertretender Landesvorsitzender und Vorstandsmitglied des NABU in der Landeshauptstadt ist.

Herbert Bilang am Eulenstock mit vielen Dankeschöntäfelchen, von Kindern gestaltet.

Fotos Haase

 

Wie viele tausende Stunden der gebürtige Altmärker und seit sieben Jahren anerkannter Colbitzer in "seinem" Museum und für die Betreuung der Magdeburger NABU-gruppe zugebracht hat ist kaum ermittelbar. Dabei sind auf dem "Kammerhoff`schen Hof in`n Oort", heute der Museumshof in der Colbitzer Ortsstraße die etwa zehntausend Eulenexponate in einer der umfänglichen Dauerausstellungen zu bewundern. Der prächtige Vierseitenhof, die Dauerausstellung zum Leben in der Heide, im Forst und mit der Landwirtschaft, Ur- und Frühgeschichtliches gehören ebenso zum kulturellen Fundus des Bierbrauer- und Heideortes wie die Geschichte von Johann Heinrich Schulze, einem Colbitzer und eine der letzten Universalgelehrten des ausklingenden 17. Jahrhunderts. Dieser machte sich besonders als Lehrer an den Franckeschen Stiftungen und Gelehrter um die Entwicklung der Grundlagen der Fotografie, der Medizin, der Geografie und der Sprachen verdient. Zu den zweifellos größten Leistungen zählt die Übersetzung der Inschrift auf dem Krönungsmantel der deutschen Kaiser aus dem Jahre 1424 durch den Colbitzer. Über die Multi-Kulti -Gesellschaft der damaligen Zeit wird berichtet, dass Schulze auch viele Afrikaner an den Universitäten unterrichtete. Vieles aus dem früheren Leben auf dem Land wird augenscheinlich sichtbar und auch der geologische und dendrologische Lehrpfad im angrenzenden Bauerngarten des Gehöfts wurde schon von vielen Besuchern, auch Schulklassen und Arbeitsgemeinschaften besucht. Der Baumlehrpfad wird auch am 26. April 2014 um eine Attraktion reicher. Dann wird, wie in jedem vergangenen Jahr seit 1989 der Baum des Jahres gepflanzt und somit auch eine Chronologie fortgesetzt die den Museumshof um eine Einmaligkeit weiter bereichert. Mit der Dauerausstellung zur Eule, eine der wenigen deutschen Museen, die sich mit interessanten Vögeln beschäftigen, ist das Museum dann auch schon bis auf den letzten Winkel belegt. Und der Vogel der Weisheit hat es wirklich verdient, empfindet man unwillkürlich beim Betreten der drei Ausstellungsräume, die dem Tier gewidmet sind. Alle Ausstellungstücke wurden von Herbert Bilang selbst zusammen getragen. Und heute kommt selbst aus den Niederlanden Post auf dem Museumshof an, der neue Exponate beinhaltet. Viel Zeit sollte man sich schon einplanen für einen Besuch des wohl ältesten Colbitzer Vierseitenhofes und wer anschließend noch eine Wanderung durch den Lindenwald plant, der ist bei Herbert Bilang goldrichtig. Vielleicht kann auch ein Waldkauz in freier Natur gesichtet werden, kennt doch der Ornithologe und Museumsleiter auch die Nistplätze der Waldkäuze und anderer Eulen. Das Museum ist montags bis donnerstags von 8-12 und von 13-15 Uhr und an den beiden Wochenendtagen jeweils von 14-16 Uhr geöffnet. Eine Anmeldung von Führungen und Gruppen sollte unter der Rufnummer 039207-85291 oder -80691 vereinbart werden. Und eine Anmerkung zum Schluss: Auch in den Winterferien macht ein Besuch in Colbitz richtig Spaß.