Rudolf Ehrhardt- Einer der Geschichte schreibt und sammelt Aus Langenweddingens wechselvoller Geschichte erzählt

(J.H.) Sie sind druckfertig. Zehn Bände Heimatkunde Langenweddingens pur, jedes etwa 200 Seiten dick. Mit viel Interessantem für Historiker, Touristen, Archäologen und Ethnologen, Bördekennern besonders aber für den Heimatkundeunterricht. Zusammengestellt in mehr als einem Jahrzehnt und dieses angefüllt mit vielen Recherchen, Befragungen, Dokumentensichtungen und Vervielfältigungen. Mühevoll und mit viel Liebe in Handarbeit akribisch zusammengestellt, ist jeder Band auch für sich allein ein handwerklich-bibliophiles Kunstwerk. Der örtliche Heimatverein freut sich und spricht hochachtungsvoll von jenem Langenweddinger, der ihnen einst als Bürgermeister vor stand, lange Jahre Bauamtsleiter der Verwaltungsgemeinschaft und späteren Einheitsgemeinde Sülzetal war.

Rudolf Ehrhardt
Rudolf Ehrhardt

Das ihm „Geschichte erkunden“ sichtlich Spaß macht, zeigt sich daran, dass er ununterbrochen an einem weiteren Band arbeitet, einem Abriss der Geschichte der Gemeinde Sülzetal. Das Double des schon beträchtlichen Wälzers will er verschenken, an wen, bleibt noch sein Geheimnis. Es gibt viele Menschen im Sülzetal, die den heute Sechsundsiebzigjährigen bei seinen Arbeiten mit Dokumenten, Bildern und auch Erzählungen aus längst vergangenen Zeiten unterstützen. Und heute denkt Rudolph Ehrhardt in weit kürzeren Dimensionen "ich habe nur noch wenig Zeit", begründet er seine fast verbissene Arbeit an großen Plänen. Anders als in seinem ersten Buch über die Geschichte des großen Bördedorfes, hat Rudolph Ehrhardt jeden seiner zehn Bände thematisch streng gegliedert. Da gibt es ein Buch über den einst berühmten Männerchor Langenweddingens, nach der neu gegründete gemischte Chor "Harmonie" Langenweddingen, Natur und Gärten des Ortes, Wanderungen in die Umgebung des oft erst auf den zweiten Blick idyllischen Bördedorfes ebenso, wie über die alten Bauernhöfe, die Denkmale und die Kirche des Ortes. Landwirtschaft, OGEMA, und Deiker & Otto fehlen ebenso wenig, wie die Fischverarbeitung, der Kalksteinbruch - ein sehenswertes Stück Natur - oder die LPG aus DDR-Zeiten. Festgehalten sind die Hoch-zeiten des DDR-Handballs mit dem legendären SV Langenweddingen und die Gewerbeentwicklung nach der Wende und ins Schwärmen kommt der Langenweddinger, berichtet er vom Gestaltungswillen der Dörfler beim Umgestalten ihres Bördedorfes nach 1990.

Allerdings ließ er auch keinen Zweifel daran, dass all dies nur möglich war, weil ihm seine Frau  Margaritta seit nunmehr 55 Jahren stets den Rücken frei hielt und heute nicht weniger viel Verständnis und Liebe für ein Werk aufbringt dass gepaart mit viel Akribie, Freude am Schaffen, handwerklicher Arbeit und stetem Suchen nach Neuen nur so zu erschaffen ist. Auch zahlreiche Helfer, Hartmut Beyer sei hier stellvertretend für viele Freunde genannt, haben dazu beigetragen, dass die Chronik, mit vielen alten und neuen Bildern Langenweddingens in dieser heutigen Form entstehen  konnte. Jetzt müssen sich Verein und Autor langsam auf die Suche nach einem Verleger begeben. Einer aus der Heimat soll es sein, denn die Börde muss man einfach im Blut haben, um die richtige Tiefe und das notwendige Herzblut in Wort und Bild einzubringen. Und auf die Unterstützung der Gemeinde hofft der Heimatforscher ebenso, wie auf die weitere Hilfe der Langenweddinger. Geht es doch um nichts Geringeres als den Erhalt und die Pflege der Überlieferungen darüber, wie "die Alten" das Leben meisterten und damit halfen,  Langenweddingen zu dem zu machen, was es heute ist - ein l(i)ebenswertes Bördedorf. Ziel wird es sein, rechtzeitig zur 1070 Jahrfeier 2016 ein Band aus allen Büchern zusammen zu stellen und der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Rudolph Ehrhardt und Frau Margaritta
Rudolph Ehrhardt und Frau Margaritta